Offene Fragen zum Menschenbild

Auch nach der OM 10 ist die Diskussion um das Menschenbild nach Martin mit Jean-Pol selbst und vielen Piraten weitergegangen. Dabei kristallisiert sich meiner Meinung nach heraus, das wohl der Utilitarismus die am nächsten stehende, seit längerem diskutierte ethnische These ist. Etwas ähnliches wurde bereits einmal als Meinungsbild in Liquid Feedback abgefragt.

Wenn man dies als Leitbild übernehmen möchte sehe ich aber noch einige Probleme. Zum einen: Wenn ich das Glück und die Bedürfnissbefriedigung der Allgemeinheit als Ziel allen Strebens sehe, was ist dann mit „querschießenden“ Individuen? Ich gebe mal ein Beispiel: Man stelle sich eine Gruppe vergnügt umhertanzender, blumenbekranzter Jünglinge vor:

Maypoles

Diese Leute sind Glücklich, zweifellos. Nun stelle man sich vor, eine Gruppe von Metallheads stößt dazu und möchte auf ihre Weise feiern.

Woa08 mainstages

Das das nicht funktionieren kann sieht man auf den ersten Blick. Die Lösung ist natürlich ziemlich einfach, eine der Gruppen trollt sich ihres Weges und feiert woanders. Aber streng genommen müsste jetzt abgewogen werden: Welche Gruppe ist relevanter für das allgemeine Glück? Darf die Mehrheit ihre persönliche Vorstellung von Glück durchziehen, oder müssen gegen eine „Diktatur der Massen“ Regelungen getroffen werden? Drastischer gefragt, ist das Minarettverbot in der Schweiz legitim weil die Mehrheit beschlossen hat, das Minarette sie in ihrem Weltbild stören?

Das andere Problem welches mich bewegt ist folgendes: Natürlich ist es das Streben jedes einzelnen, die Bedürfnisse seiner eigenen Pyramide zu erfüllen bzw. erfüllt zu bekommen. Auch ein einfaches Tauschgeschäft, wie von Jean-Pol beschrieben, ist logisch: Meine Partnerin erfüllt Anforderungen, und damit sie das weiterhin tut erfülle ich Teile ihrer Anforderungen (Gemeinhin als „Liebe“ oder „Beziehung“ bekannt). Was aber wenn von mir verlangt wird, die Anforderungen von jemand wildfremden auf Kosten meiner eigenen zu stillen, und sei es nur das ich z.b. auf Luxus verzichte um dem anderen Obdach zu gewähren? Solange eine persönliche Beziehung besteht sehe ich kein Problem, aber ich befürchte das der Mensch zu egoistisch ist solche Anforderungen freiwillig bei Dritten zu erfüllen. Was also tun? Wir als Piraten finden Zwänge und Verbote grundsätzlich schlecht. Aber es gibt eine Alternative: Die Belohnung als Anreiz. Als Spieleentwickler kann man so etwas leicht umsetzen, gib dem Spieler in einem Rollenspiel beispielsweise einfach mehr Anreiz einen Konflikt gewaltfrei zu lösen (zum Beispiel durch mehr Erfahrungspunkte oder die Möglichkeit, einen Handelspartner dazuzugewinnen) und er wird sein Schwert in der Scheide lassen. Aber wie wendet man das auf die Realität an? Wie „besiegt“ man den Egoismus?

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2 responses to “Offene Fragen zum Menschenbild

  • jean-pol martin

    „Drastischer gefragt, ist das Minarettverbot in der Schweiz legitim weil die Mehrheit beschlossen hat, das Minarette sie in ihrem Weltbild stören?“
    – In unserem künftig zu entwickelnde Modell wird das nicht per einfache Mehrheit beschlossen. Da muss man ausgeklügeltere Verfahren finden als Mehrheitsbeschlüsse.

    „Was aber wenn von mir verlangt wird, die Anforderungen von jemand wildfremnden auf Kosten meiner eigenen zu stillen, und sei es nur das ich z.b. auf Luxus verzichte um dem anderen Obdach zu gewähren?“
    – In der Demokratie wird es bereits so gehandhabt, nur nicht in ausreichendem Maße. Insofern muss man an dieser Stelle das System verbessern, aber nicht völlig neu erfinden.

  • robert

    Also ich versteh das Problem überhaupt nicht.
    Oben sieht man langhaarige die rum tanzen und unten sind langhaarige die rumtanzen (oder sitzen und Bier trinken). Wenn jetzt zwischen den Weißen noch ein paar schwarze (oder anders herum) in der Gegend rumspringen würden, gäbe es doch garkein Problem. Oder?

    Klar könnte die Musik die auf den verschiedenen Festen läuft zu einer differenzierteren Verteilung von schwarzen und weißen langhaarigen führen. Aber auch da gibts keine Probleme, da jeder nur zu der Musike geht die seiner selbst behagt.

    Falls Du invasorisches Verhalten meinst, also die schwarzen überfallen die weißen oder anderesherum gibt es eine ganz einfache Grundregel. Deine Freiheit endet bei der Freiheit des andersdenkenden. Ergo strebt man nach der Teilung der physikalischen Gegebenheiten um (evtl. auch nur temporär) die Bedürfnisbefridigung der verschiedenen Pole zu gewähleisten. Sollte sich nicht an die Grundregel gehalten werden sollte es verschiedenste Mittel geben die die unantastbarkeit des Einzelnen und den Minderheitenschutz der Einigen (ggü. den Vielen) sicherstellen.

    Grüße

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