Archiv der Kategorie: Piraten

Das Konzept der negativen Einkommenssteuer

Nach den Meldungen zum letzten Sozialpiratentreffen in Berlin stellte sich einige Schelte aus allen möglichen Richtungen ein, auch die Kommentare hier verwirren mich zugegebermaßen ein wenig. Ich möchte daher vielleicht ein wenig zur Beruhigung und Aufklärung beitragen, und einmal erläutern wie ich mir die Vorgänge bei einer negativen Einkommenssteuer so vorstelle.
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Bericht vom 1. Sozialpiratentreffen in Berlin

Soderle, dann will ich mal meiner selbst auferlegten Pflicht nachkommen und der Welt im Allgemeinen (und Dir im Besonderen ;-)) einen Bericht über das erste Treffen der Sozialpiraten in Berlin abliefern.
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Eindrücke vom Sozicamp

So ihr Lieben, das Sozicamp ist ja schon eine Weile her, aber ich hatte bislang schlicht keine Zeit mal meine Eindrücke niederzuschreiben. Das wollen wir mal nachholen und gleich ein wenig Nachbearbeitung und Wirkung mit betrachten. Rund 50 Teilnehmer hatten wir insgesamt so vor Ort, im Schnitt haben 30 Leutchen das Geschehen via Stream beobachtet.
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Sozialpolitik in der Piratenpartei?

Was zunächst einmal verwirrend klingt, ist dank der Beschlüsse vom letzten Bundesparteitag in Chemnitz Realität geworden. Wir Piraten haben zum ersten mal Stellung bezogen und uns für das „Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe“ (kurz #ReSET) ausgesprochen. In dieser Klarheit tut dies keine andere Partei. Damit sind wir jetzt in der Pflicht, aus dieser Phrase etwas greifbares zu machen. Denn was bedeutet das eigentlich? Klar ist: Es ist eine Abkehr und klare Absage an schlaue Sprüche wie „Wer essen will soll arbeiten gehen“. Es ist die Erkenntnis, das wir eigentlich in einer komfortablen Situation leben und das sich die Welt weg bewegt von der Erwerbsarbeit hin zur Arbeit um sich selbst zu verwirklichen.
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Vision (m)einer neuen Wirtschaftsordnung

Ich bin schon mehrfach von der guten CaeVye gebeten worden, mal meine Vorstellung eines bedingungslosen Grundeinkommens zu Papier zu bringen oder vorzustellen. Bislang habe ich erfolgreich Prokrastiniert, aber es naht das Wochenende der Entscheidung, ergo sollte ich mich mal sputen um auch hier vor Ort mal eine Diskussionsgrundlage zu schaffen. Und hier mal einen Artikel zu schreiben, der kein Rant ist, kann ja durchaus auch mal ganz nett sein.


CC-BY-SA Jorges

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Offene Fragen zum Menschenbild

Auch nach der OM 10 ist die Diskussion um das Menschenbild nach Martin mit Jean-Pol selbst und vielen Piraten weitergegangen. Dabei kristallisiert sich meiner Meinung nach heraus, das wohl der Utilitarismus die am nächsten stehende, seit längerem diskutierte ethnische These ist. Etwas ähnliches wurde bereits einmal als Meinungsbild in Liquid Feedback abgefragt.

Wenn man dies als Leitbild übernehmen möchte sehe ich aber noch einige Probleme. Zum einen: Wenn ich das Glück und die Bedürfnissbefriedigung der Allgemeinheit als Ziel allen Strebens sehe, was ist dann mit „querschießenden“ Individuen? Ich gebe mal ein Beispiel: Man stelle sich eine Gruppe vergnügt umhertanzender, blumenbekranzter Jünglinge vor:

Maypoles

Diese Leute sind Glücklich, zweifellos. Nun stelle man sich vor, eine Gruppe von Metallheads stößt dazu und möchte auf ihre Weise feiern.

Woa08 mainstages

Das das nicht funktionieren kann sieht man auf den ersten Blick. Die Lösung ist natürlich ziemlich einfach, eine der Gruppen trollt sich ihres Weges und feiert woanders. Aber streng genommen müsste jetzt abgewogen werden: Welche Gruppe ist relevanter für das allgemeine Glück? Darf die Mehrheit ihre persönliche Vorstellung von Glück durchziehen, oder müssen gegen eine „Diktatur der Massen“ Regelungen getroffen werden? Drastischer gefragt, ist das Minarettverbot in der Schweiz legitim weil die Mehrheit beschlossen hat, das Minarette sie in ihrem Weltbild stören?

Das andere Problem welches mich bewegt ist folgendes: Natürlich ist es das Streben jedes einzelnen, die Bedürfnisse seiner eigenen Pyramide zu erfüllen bzw. erfüllt zu bekommen. Auch ein einfaches Tauschgeschäft, wie von Jean-Pol beschrieben, ist logisch: Meine Partnerin erfüllt Anforderungen, und damit sie das weiterhin tut erfülle ich Teile ihrer Anforderungen (Gemeinhin als „Liebe“ oder „Beziehung“ bekannt). Was aber wenn von mir verlangt wird, die Anforderungen von jemand wildfremden auf Kosten meiner eigenen zu stillen, und sei es nur das ich z.b. auf Luxus verzichte um dem anderen Obdach zu gewähren? Solange eine persönliche Beziehung besteht sehe ich kein Problem, aber ich befürchte das der Mensch zu egoistisch ist solche Anforderungen freiwillig bei Dritten zu erfüllen. Was also tun? Wir als Piraten finden Zwänge und Verbote grundsätzlich schlecht. Aber es gibt eine Alternative: Die Belohnung als Anreiz. Als Spieleentwickler kann man so etwas leicht umsetzen, gib dem Spieler in einem Rollenspiel beispielsweise einfach mehr Anreiz einen Konflikt gewaltfrei zu lösen (zum Beispiel durch mehr Erfahrungspunkte oder die Möglichkeit, einen Handelspartner dazuzugewinnen) und er wird sein Schwert in der Scheide lassen. Aber wie wendet man das auf die Realität an? Wie „besiegt“ man den Egoismus?


Das war die Open Mind 2010

Vergangenes Wochenende war ich auf einer von Piraten organisierten Konferenz namens Open Mind. Es ging auf dieser primär um die Frage, welches gemeinsame Gesellschafts- und Menschenbild uns Piraten verbindet. Ich habe mit dem AK Arbeit & Soziales NRW dort ebenfalls einen Slot gehalten, in dem wir kurz die aktuelle Lage der Sozialpolitik sowie unsere Gedanken dazu schildern wollten.

Diese Veranstaltung hat mich sehr tief beeindruckt. Wir Piraten, bzw. zumindest die Anwesenden, haben an diesem Wochenende extrem hochwertigen Beiträgen von den unterschiedlichsten Referenten gelauscht und darüber auf einem sehr hohen Niveau diskutiert. Besonders beeindruckt haben mich die Beiträge von Jean-Pol Martin über sein von der Maslowschen Bedürfnispyramide abgeleitetes Menschenbild und der direkte Vergleich des Individuums mit Neuronen.

Weiterhin fand ich es erstaunlich und bemerkenswert, das trotz aller (aus sozialer Sicht) Abstraktheit der Themen doch immer wieder ein Bezug zu sozialer Sicherheit herzustellen war, spätestens in den Diskussionsrunden die nach jedem Thema auf sehr hohem Niveau stattfanden. Als bestes Beispiel empfand ich hier das Plädoyer NineBerrys für einen Wandel der Gesellschaft zu mehr Toleranz, welcher aber bedingt das sich alle auf Augenhöhe begegnen.

Mein persönliches Highlight war allerdings der Diskussionsverlauf während des Vortrags von Peter Plöger, der den Wandel des Arbeitsmarktes beleuchtete und sehr gut und nachvollziehbar auf Chancen und Risiken einging. Auch hier wurde klar, das ohne ein Stückchen Sicherheit aus Freiheit schnell ein totaler Absturz werden kann.

Wir vom AK Sozi belegten einen der beiden letzten Slots, was sich leider etwas negativ auf die Besucherzahlen (auch bei der Nachbarveranstaltung) auswirkte. Da wir hauptsächlich diskutieren wollten war unser Vortrag recht kurz gehalten, die Diskussion hernach aber äusserst fruchtbar und ergiebig. Das Resultat ist klar: Die Piraten brauchen eine Vision für den Sozialstaaat der Zukunft, anders lässt sich die Gesellschaft nicht zum positiven formen.

Alles in allem also eine extrem positive und runde Sache. Mein tiefster Dank gilt den Organisatoren, das sie das Risiko und die Arbeit aufgenommen haben so eine tolle Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Wir sehen uns auf jeden Fall auf der #om11 wieder!