Archiv der Kategorie: Wertediskussion

Bericht vom 1. Sozialpiratentreffen in Berlin

Soderle, dann will ich mal meiner selbst auferlegten Pflicht nachkommen und der Welt im Allgemeinen (und Dir im Besonderen ;-)) einen Bericht über das erste Treffen der Sozialpiraten in Berlin abliefern.
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Sozialpolitik in der Piratenpartei?

Was zunächst einmal verwirrend klingt, ist dank der Beschlüsse vom letzten Bundesparteitag in Chemnitz Realität geworden. Wir Piraten haben zum ersten mal Stellung bezogen und uns für das „Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe“ (kurz #ReSET) ausgesprochen. In dieser Klarheit tut dies keine andere Partei. Damit sind wir jetzt in der Pflicht, aus dieser Phrase etwas greifbares zu machen. Denn was bedeutet das eigentlich? Klar ist: Es ist eine Abkehr und klare Absage an schlaue Sprüche wie „Wer essen will soll arbeiten gehen“. Es ist die Erkenntnis, das wir eigentlich in einer komfortablen Situation leben und das sich die Welt weg bewegt von der Erwerbsarbeit hin zur Arbeit um sich selbst zu verwirklichen.
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Offene Fragen zum Menschenbild

Auch nach der OM 10 ist die Diskussion um das Menschenbild nach Martin mit Jean-Pol selbst und vielen Piraten weitergegangen. Dabei kristallisiert sich meiner Meinung nach heraus, das wohl der Utilitarismus die am nächsten stehende, seit längerem diskutierte ethnische These ist. Etwas ähnliches wurde bereits einmal als Meinungsbild in Liquid Feedback abgefragt.

Wenn man dies als Leitbild übernehmen möchte sehe ich aber noch einige Probleme. Zum einen: Wenn ich das Glück und die Bedürfnissbefriedigung der Allgemeinheit als Ziel allen Strebens sehe, was ist dann mit „querschießenden“ Individuen? Ich gebe mal ein Beispiel: Man stelle sich eine Gruppe vergnügt umhertanzender, blumenbekranzter Jünglinge vor:

Maypoles

Diese Leute sind Glücklich, zweifellos. Nun stelle man sich vor, eine Gruppe von Metallheads stößt dazu und möchte auf ihre Weise feiern.

Woa08 mainstages

Das das nicht funktionieren kann sieht man auf den ersten Blick. Die Lösung ist natürlich ziemlich einfach, eine der Gruppen trollt sich ihres Weges und feiert woanders. Aber streng genommen müsste jetzt abgewogen werden: Welche Gruppe ist relevanter für das allgemeine Glück? Darf die Mehrheit ihre persönliche Vorstellung von Glück durchziehen, oder müssen gegen eine „Diktatur der Massen“ Regelungen getroffen werden? Drastischer gefragt, ist das Minarettverbot in der Schweiz legitim weil die Mehrheit beschlossen hat, das Minarette sie in ihrem Weltbild stören?

Das andere Problem welches mich bewegt ist folgendes: Natürlich ist es das Streben jedes einzelnen, die Bedürfnisse seiner eigenen Pyramide zu erfüllen bzw. erfüllt zu bekommen. Auch ein einfaches Tauschgeschäft, wie von Jean-Pol beschrieben, ist logisch: Meine Partnerin erfüllt Anforderungen, und damit sie das weiterhin tut erfülle ich Teile ihrer Anforderungen (Gemeinhin als „Liebe“ oder „Beziehung“ bekannt). Was aber wenn von mir verlangt wird, die Anforderungen von jemand wildfremden auf Kosten meiner eigenen zu stillen, und sei es nur das ich z.b. auf Luxus verzichte um dem anderen Obdach zu gewähren? Solange eine persönliche Beziehung besteht sehe ich kein Problem, aber ich befürchte das der Mensch zu egoistisch ist solche Anforderungen freiwillig bei Dritten zu erfüllen. Was also tun? Wir als Piraten finden Zwänge und Verbote grundsätzlich schlecht. Aber es gibt eine Alternative: Die Belohnung als Anreiz. Als Spieleentwickler kann man so etwas leicht umsetzen, gib dem Spieler in einem Rollenspiel beispielsweise einfach mehr Anreiz einen Konflikt gewaltfrei zu lösen (zum Beispiel durch mehr Erfahrungspunkte oder die Möglichkeit, einen Handelspartner dazuzugewinnen) und er wird sein Schwert in der Scheide lassen. Aber wie wendet man das auf die Realität an? Wie „besiegt“ man den Egoismus?